Nein, das ist kein Spendenaufruf, sicher nicht. Ich spreche nicht von heute, sondern von übermorgen. Würdest du in zwanzig Jahren, wenn du mitten im Berufsleben stehst, Geld an deine ehemalige FH spenden?
Das Fundraising, also Spendensammeln, unter den Alumni einer Hochschule ist in Deutschland nur sehr schwach ausgeprägt, anders als in den USA. Natürlich gibt es hier anders als dort keinen Wettbewerb zwischen privaten und öffentlichen Hochschulen. Und ich will auch gar nicht an der öffentlichen Finanzierung der deutschen Hochschulen rütteln. Aber Spenden können eine wertvolle Ergänzung zu staatlichen Geldern sein.
Doch wie bringt man Absolventen dazu, Alumni zu werden? Und wie bringt man Alumni dazu, Geld zu spenden? Das ist natürlich nicht leicht. Und ich weiß, dass es in einigen Fakultäten der FH schon derartige Ansätze gibt. Aber das reicht bei weitem nicht. Aus meiner heutigen Sicht halte ich es für relativ unwahrscheinlich, dass ich der FH Geld spenden würde. Da würde ich eher an mein altes Gymnasium denken. Dort war auch nicht alles ideal, aber mein traditionsreiches und -bewusstes Gymnasium hat es geschafft, dass ich mich damit identifiziere. Noch dazu findet alle fünf Jahre ein Treffen aller noch lebenden ehemaligen Schüler statt, eine Veranstaltung, die geradezu emotional aufgeladen ist und seit über 150 Jahren Kultstatus besitzt.
Aus Marketing-Sicht und aus der Perspektive eines Customer-Relationship-Managements kann es besser nicht sein!
Doch muss sich die FH, wenn sie das wertvolle Potential, das jedes Jahr das Studium absolviert und in das Berufsleben einsteigt, nicht verlieren will, anstrengen. Es reicht nicht, wenn ich in zwanzig Jahren einen Spendenbrief erhalte. Die Bemühungen müssen heute anfangen. Nur eine Hochschule, an der man sich als Student wohlgefühlt hat, wird Erfolg haben.
Eine Hochschule, deren Leitbild die Hochschulleitung ignoriert nicht genügend verinnerlicht, die Professoren nicht kennen und die Studenten nicht erleben, wirkt niemals identitätsstiftend.
Studenten, die heute durch eine unflexible Verwaltung und schlechte Lehre vergrault werden, sind als Alumni für immer verloren. Daher ist der Ruf nach dem Studenten als "Kunden der Hochschule" vielleicht für die Hochschulleitung nervtötend, für die Zukunft der FH ist er essentiell.
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